Adieu b7!

Das Akkorddiaramm zeigt den Dominantseptakkord D7. Die kleine Septime des D7 befindet sich am 1.Bund auf der B (dt."H") Saite. Auf dem entsprechenden Spot wird für die Septime eine "7" angezeigt. Einleuchtend, oder?

Manchen Usern leuchtet allerdings nicht ein, warum auf dem Spot nicht eine b7 zu lesen ist, wie die kleine Septime in Theoriebüchern oft abgekürzt wird.

Ich werde erklären, wo und in welchem Zusammenhang die b7 auftaucht und warum Du keine b7 in den Akkorddiagrammen findest.

Es gibt drei Arten von Septimen
verminderte Septime - kleine Septime - große Septime

Septime in Tonleitern

Die Grundidee der Intervalbezeichnungen liegt in der klaren Unterscheidbarkeit zwischen großen und kleinen Intervallen.

In Tonleitern
mit einer
wird die Septime
definiert als
großen
Septime
7
kleinen
Septime
b7
verminderten
Septime
bb7

Große Intervalle (gr.Sekunde, gr.Terz, gr.Sexte, gr.Septime) und reine Intervalle (reine Quarte, reine Quinte) werden ohne Vorzeichen geschrieben (2, 3, 4, 5, 6, 7).

Die jeweils kleine, verminderte oder übermäßige Variante wird mit entsprechenden Vorzeichen versehen.

Das ist an sich ein logisches System und hilft, reine, große und kleine, übermäßige und verminderte Intervalle in Tonleitern gut unterscheiden zu können.

Septime im Akkordsymbol

Akkordbezeichnungen müssen in erster Linie klar und schnell unterscheidbar sein und in möglichst kurzer Form alle wichtigen Information zum Akkord liefern.

In Akkorden
mit einer
schreibt man die Septime als...oder mit Symbol als
großen Septimemaj7△7
kleinen Septime7
verminderten Septimedim7○7

Es gibt auch noch alternative Schreibweisen (nicht empfohlen), wie z.B. MA7 oder j7 für maj7.

Diese Schreibweise lässt keine Unklarheit aufkommen, auf was sich ein Vorzeichen bezieht. Würde man die Schreibweise 7/b7/bb7 verwenden, wäre ein Db7 dann ein D-Dur Akkord mit einer b7 oder ein Db-Dur Akkord mit einer 7 (in diesem Fall großen Septime)?

Es ist offensichtlich, welche Verwirrung die unterschiedlichen Schreibweisen stiften können.

Und so finden sich die Septimen in verschiedenen Theoriebüchern

Als wäre es nicht schon verwirrend genug, es kommt noch dicker!

Besonders Jazz-Harmonielehre Bücher befassen sich mit Akkorden und deren zugehörigen Tonleitern. Ich besitze eine handvoll solider Werke und jedes nimmt unterschiedlich starke Anpassungen an der ursprüichen Intervall-Schreibweise vor, um eben mehr Klarheit zu schaffen. Innerhalb jedes Buches ergibt das dann eine in sich klare Logik, aber wenn man Dinge in verschiedenen Büchern, auf Webseiten und mit Apps nachschlägt, kann man leicht verzweifeln. Wenn man die folgende Vergleichstabelle betrachtet, kann man es kaum glauben...

Chord
Symbols
OolimoBook1Book2Book3Book4
maj7, △7maj777M7M7
77b7b7b7-7
dim7, ○7dim7bb7○7bb7b7

Intervallbezeichnungen auf Oolimo

Akkorddiagramme und die Erklärungen sollen helfen zu lernen und zu verstehen, welche Bestandteile zusammen einen bestimmten Akkord bilden und mit welchem Akkordsymbol dieser genau bezeichnet wird. Wenn man weiß, wo sich im Akkord welches Intervall befindet, kann man den Akkord leicht selbstständig modifizieren oder erweitern.

Für diesen Zweck ist es naheliegendsten, die Intervalle im Akkorddiagramm so anzuzeigen, wie sie sich im Akkordsymbol niederschlagen, oder zumindest angelehnt* an diese.

Oolimo benennt Intervalle generell nach ihren Representanten im Akkordsymbol
im Falle der Septimen sind das dim7, 7 oder maj7

*) Manche Intervalle sind im Akkordsymbol gar nicht (5) oder oder Intervall-Zahl erwähnt. Eine kleine Terz (b3 in der "Scalen-Notation") schlägt sich im Akkordsymbol lediglich als m oder "-" für "moll" nieder. Im Akkorddiagramm oder Erklärungen steht dann m3.

Fazit

Es gibt keine strengen Regeln oder Gesetze, aber eine allgemeingültige Logik die auf dem basiert, was ein Autor als Konvention definiert hat. Mit Anpassungen einzelner Intervallbezeichnungen wie M7 statt 7, oder ○7 statt bb7 haben sich Autoren bereits von der ursprünglichen Intervallbezeichnung verabschiedet, in Richtung moderner Akkord-Nomenklatur.

Viele Nutzer haben großes Potential hier eine Menge zu lernen, aber nur die wenigsten haben wahrscheinlich zuvor Harmonielehre-Bücher gelesen. So wären die meisten wohl verwundert, wenn die 7 eines G7 Akkordes im Akkorddiagram als b7 und die große Septime eines Gmaj7 als 7 bezeichnet wäre. Die Verwirrung darüber könnte dann dazu führen, dass man Akkordsymbole falsch interpretiert oder z.B. einen A7 eben mal als Ab7 notiert (A Dur Akkord plus kleine Septime b7) oder statt Fmaj7 irrtümlich F7 schreibt. Die große Septime taucht in vielen Büchern auch als M7 auf. Ist man sich der Bedeutung der Groß/Kleinschreibung nicht bewusst, kann das leicht mit "moll sieben" verwechselzt werden. "j7" ist da schon eindeutiger.

Ich möte uns von dem Joch befreien, dass uns die Diskrepanz zwischen klassischen "absoluten Intervallbezeichnungen" und Akkordsymbolen auferlegt hat. Wir befassen uns hier hauptsächlich mit Akkorden und es gibt keinen vernünftigen Grund, die Bezeichnung "b7" für eine kleine Septime beizubehalten, da maj7, 7 und dim7 klar und eindeutig unterscheidbar sind.

Die Kenntnis der Formel für absolute Intervalle, "Zahl von 1 bis 7, mit optional vorangestellten Vorzeichen (b,#,bb)", sollte natürlich nicht in den Wind geschlagen werden. Sie ist gut für das grundlegende Verständnis von Intervallen und sollte mit dem ersten Kontakt mit Noten und Tonleitern gelernt werden, noch bevor man sich mit Akkordsymbolen befasst.

Eine "7" in Akkorddiagrammen und Erklärungen auf Oolimo
steht immer für eine kleine Septime

P.S: Auch Tonleitern benützt man, um Akkorde/Akkordfolgen mit Melodien oder in der Improvisation hörbar zu machen. Mit der besonderen Betonung bestimmter Akkordtöne dienen Tonleitern dabei sozusagen als "horizontale Akkorde".